Mittwoch, 26. September 2012

Interpretation Zufluchtsstätte II



Zufluchtsstätte

Ein Ruder liegt auf dem Dach. Ein mittlerer Wind
Wird das Stroh nicht wegtragen.
      Im Hof für die Schaukel der Kinder sind
Pfähle eingeschlagen.

      Die Post kommt zweimal hin
Wo die Briefe willkommen wären.
      Den Sund herunter kommen die Fähren.
      Das Haus hat vier Türen, daraus zu fliehn.
(1937)


In dem Gedicht „Zufluchtsstätte“ von Bertolt Brecht beschreibt er die Situation im dänischen Exil. 
Brecht befand sich von 1933 bis 1939 im dänischen Exil und schrieb viele Gedichte/Texte, in denen er indirekte Kritik an der politischen Situation Deutschlands übte.

In den ersten zwei Versen heißt es: „Ein Ruder liegt auf dem Dach. Ein mittlerer Wind wird das Stroh nicht wegtragen.“ Das Ruder steht als Symbol, welches das Strohdach beschwert, da das Dach nur für die Dauer seiner Exilzeit angefertigt ist und Brecht davon ausgeht, dass er dort nur für eine kurze Zeit verweilen wird. Dieser Ballast ist notwendig, um dem mittleren Wind, der eine Metapher für die allgemein unruhige politische Situation im nationalsozialistischen Deutschland darstellt, davon abzuhalten, die Zufluchtsstätte niederzustürzen. 
Die eingeschlagenen Pfähle verdeutlichen seine Einstellung gegenüber der Dauer des Exils. Er schuf das Fundament, um eine idyllische Familienumgebung zu errichten und sich von den damaligen aktuellen Umständen zu distanzieren.
„Die Post kommt zweimal hin
Wo die Briefe willkommen wären.“
Brechts Einsamkeit wird durch den Wunsch nach Kontakt mit der Heimat durch die Zeilen verdeutlicht. Er wartet stets auf Neuigkeiten, die durch die Post gebracht werden, welche er sehnlichst erwartet. Seine vier Optionen, im Notfall zu fliehen, metaphorisiert er mit den vier Türen seiner Zufluchtsstätte. Er behält seinen Fluchtweg im Auge, ebenfalls drückt die Zeile „Den Sund herunter kommen die Fähren.“ seine Monotonie aus, da er Tag für Tag an der gleichen Stelle die gleichen Gegebenheiten wahrnimmt. 

...Fortzsetzung folgt ... (Stilmittel) ;)


von: Nathaly Hauska, Benjamin Ruppe, Jan Dittmar und Nicolai Nobis

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen